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Diabetes – der Schlüssel zu wunderbaren Freundschaften

In diesem Post möchte ich euch heute von etwas erzählen, wodurch sich die Einstellung zu meinem Diabetes um 180 Grad gewendet hat.

Ich bin ehrlich, am Anfang dachte ich: Diabetes ist anstrengend, schlecht und bringt nur negative Sachen mit sich. Ha, ganz im Gegenteil…lest weiter!

Als ich 2013 die Diagnose für meinen – ja ich nenne ihn jetzt einfach mal meinen „Lebensbegleiter“ bekam, dachte ich ich sei die Einzige die jeden Tag mehrmals ihren Blutzucker misst, sich vor den Mahlzeiten Insulin spritzt und ihr Essen abwiegt. Ich habe mir oft eingeredet, dass ich den Diabetes jetzt endlich mal akzeptieren muss und ich habe mich immer wieder selber unter Druck gesetzt, denn ich wusste einfach nicht wie ich den Diabetes in mein Leben integrieren sollte. Durch meine Ärztin lernte ich ein Mädchen kennen, die heute eine Herzensfreundin und Schwester für mich geworden ist. Sie ist immer für mich da, hat ein offenes Ohr und wir sind ein super Dia-Team. Vom gemeinsamen Krankenhausaufenthalt zur Pumpeneinstellung, über gemeinsame Sport-Einheiten, zu motivierenden und aufbauenden Gesprächen – all das haben wir schon gemeinsam erleben dürfen. Ich bin sehr dankbar, dass ich sie kurz nach meiner Diagnose kennenlernen durfte und wir bis heute ein Herz & eine Seele sind. War das in irgendeiner Hinsicht schlecht oder negativ? Nein, ganz im Gegenteil. Für diese Begegnung bin ich sehr dankbar. Eine Freundin an der Seite zu wissen, die genau die gleichen „Probleme“ hat, an die ich mich wenden kann und von der ich Tipps bekomme, die aus eigener Erfahrung stammen. Ich möchte damit nicht sagen, dass Gespräche mit Freunden, die keinen Diabetes haben, schlecht sind. Nein, sie basieren auf einer anderen Grundlage und sind trotzdem sehr wertvoll. Habt ihr das schon einmal erlebt, dass ihr mit jemandem über ein Thema gesprochen habt, was ihr beide erlebt oder durchgemacht habt? Mir persönlich tut das unglaublich gut zu wissen, dass ich mit den ganzen Themen nicht alleine auf dieser Welt bin.

Dass der Diabetes mich eines Tages in den höchsten Norden führt, hätte ich nie gedacht. Ich hatte mich schon des Öfteren nach Diabetes-Gruppen auf Facebook umgesehen, doch beitreten wollte ich bis dato nicht. Ende letztes Jahres dachte ich mir, dass ich meine Fragen, die sich in meinem Kopf häufen doch sicher in einer solchen Gruppe stellen kann und Tipps und Tricks von Erfahrenen bekomme. Also entschied ich mich einer dieser Gruppen beizutreten. Heute bin ich so froh darüber,  denn ohne diesen Entschluss hätte ich ganz besondere Menschen nie kennengelernt. In dieser Diabetes Facebook-Gruppe waren über Tausend junge Diabetiker. Als ich das las, war ich vorerst „baff“. Es tat so gut, Beiträge von Leuten zu lesen, denen es genauso geht wie mir. An diesem einen Tag hatte ein Mädchen in der Gruppe gefragt, ob es Leute gibt die eventuell Lust hätten eine WhatsApp-Gruppe zu gründen.   Mit der Zeit verließen welche die Gruppe und andere neue kamen dazu. Heute sind wir eine tolle Gruppe, wir sind Freunde geworden. Freunde, die alle 24 Stunden von dem süßen Begleiter begleitet werden. Wir sind überall verstreut, im Süden, Norden, in Bayern und trotzdem verbindet uns täglich eins: der Diabetes. Auch wenn uns dieser verbindet, steht er nicht immer im Mittelpunkt. Die Gruppe ist ein Ort, an dem jeder sein Herz ausschütten kann, über Themen die ihn beschäftigen. Wir sind sozusagen eine 24 Stunden-Hotline, denn eine Antwort bekomme ich immer, ganz egal zu welcher Uhrzeit. Geht der Letzte ins Bett, ist es für den Ersten manchmal schon bald Zeit aufzustehen.

Durch unsere unterschiedlich langen Erfahrungen, rundum den Diabetes, lernen wir voneinander. Es gibt Pumpenträger und auch welche die sich spritzen. Jeder wird mit seinen Fragen und Anliegen gehört und wir finden meist für alles eine Lösung. Ist das nicht großartig?

In der Gruppe gibt es zwei für mich ganz besondere Menschen, die mir sehr schnell ans Herz gewachsen sind. Mit einer der beiden habe ich angefangen darüber zu schreiben, wie sich das Yoga auf den Blutzucker auswirkt. Nach und nach haben wir in unseren täglichen Gesprächen immer mehr gemeinsame Interessen und Fähigkeiten erkannt und beschlossen uns so schnell wie möglich persönlich kennenzulernen. So führte mich der Diabetes also in den Norden. Ich mag mir garnicht mehr vorstellen, wie es ohne sie wäre. Der Diabetes hat mir einen weiteren Herzensmensch geschenkt und dafür bin ich ihm sehr dankbar! Als ich sie im Norden besuchte war das eine wunderschöne Zeit, mit vielen Lachflashs, Spaziergängen, Unterzuckerungen (eher nicht so schön!), Ausflügen und gemeinsamem kochen. Morgens Blutzucker messen, dann das Essen abwiegen, spritzen, vor dem spazieren gehen auch nocheinmal messen und sich gegenseitig an Traubenzucker mitnehmen erinnern, Rituale die jeder von uns täglich durchführt. Gemeinsam machen sie jedoch noch mehr Spaß. Ja, ich schreibe ganz bewußt „Spaß“, denn es ist so. Für mich ist der Diabetes heute nicht mehr negativ. Natürlich habe ich manchmal meine schweren Phasen, in denen ich am liebsen alles hinschmeißen würde, doch wozu habe ich so wunderbare Freunde?

Die Andere der beiden Herzensfreundinnen, die mir in dieser Gruppe sehr ans Herz gewachsen ist, darf ich dieses Jahr im Herbst persönlich kennenlernen. Wir schreiben regelmäßig, motivieren uns, muntern uns auf, geben uns Rezeptideen, schicken uns Päckchen und sind jeden Tag dankbar für unsere Freundschaft. Ich möchte keinen der beiden jemals wieder missen, denn auch wenn wir nicht gerade nah beieinander wohnen, sind wir jeden Tag in Kontakt und das macht mich zu einer glücklichen Diabetes-Mädl.

Die Dankbarkeit für die Diabetes WhatsApp-Gruppe sprudelt gerade nur so aus mir heraus..

Gute Freunde zu haben, mit denen wir über alles reden, ihnen unsere Sorgen und auch die Momente in denen wir glücklich sind anvertrauen können, das ist doch das was uns -jeden einzelnen- glücklich macht. Jeder möchte gehört werden und wünscht sich einen ehrlichen Freund an seiner Seite.

Ich freue mich von euren Erfahrungen und schönen Begegnungen mit „Leidensgenossen“ oder Freunden, die ihr durch etwas kennengelernt habt zu lesen.

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