Diabetes Typ 1

Diabetes = Disziplin

In letzter Zeit habe ich sehr stark gemerkt, wie diszipliniert ich geworden bin, seitdem ich meinen Diabetes habe. Damals war alles etwas unkomplizierter als es das jetzt ist. Heute mache ich mir Gedanken darüber, wie lange meine letzte Mahlzeit schon her ist und ob mein Insulin noch wirkt. Vor ein paar Jahren habe ich mir eher einen Kopf darüber gemacht, was ich jetzt esse. Vielleicht liest ja auch der Ein oder Andere Nicht-Diabetiker gerade diesen Post. Wann isst du? Hältst du dich an die drei Hauptmahlzeiten am Tag? Oder gehst du auch mal zum Bäcker, wenn du gerade Lust auf etwas hast? Was heißt für dich Disziplin und wie führst du sie in deinen Alltag ein?

Damit will ich nicht sagen, dass ich nicht auch zum Bäcker gehen könnte, wenn und wann ich will, aber ich mache es nicht- zumindest sehr selten. Natürlich gibt es bei mir auch mal was Süßes zwischendurch oder eine Schale Obst mit Ziegenjoghurt (den ich über alles liebe), ganz klar. Dennoch versuche ich mich, meinem Diabetes zu liebe, mich an meine drei Hauptmahlzeiten zu halten. Ich habe in letzter Zeit immer wieder beobachtet, dass es besser ist, das aktive Insulin ersteinmal wirken zu lassen und mit der nächsten Mahlzeit zu warten. Somit vermeide ich, dass meine Werte nicht ganz so stark auf- und abspringen.

Wann fängt für mich Disziplin an?

Disziplin fängt bei mir persönlich nicht beim Essen an. Disziplin ist für mich auch, alle drei Tage meinen Katheter zu wechseln. Selbst wenn ich manchmal – ich gebe es zu – zu faul bin. Jeden Tag mein Essen abzuwiegen, das ich mir dann für die Schule vorbereite und mir auf einen Zettel zu schreiben, wieviel ich dafür spritzen muss, bedeutet auch Disziplin für mich. Diszipliniert sein ist nicht einfach, wenn man es „muss“. Ich habe von den Spätfolgen des Diabetes gehört und auch schon manches gesehen. Das möchte ich mir ersparen, weshalb ich gerade in den Startlöchern stehe und regelmäßig joggen gehe. Sport und Ernährung spielen beim Diabetes nämlich eine große Rolle. Für mich hört auch hier die Disziplin nicht auf. Was mache ich, wenn meine ganzen Utensilien ausgehen? In meinem Kalender steht an jedem 1. Montag im Monat eine kleine Notiz, dass ich heute meinen Diabeteskrams checken soll und mir eventuell ein neues Rezept bestellen muss. Das sind viele kleine Dinge die zusammen kommen, aber an alles zu denken ist manchmal ganz schön anstrengend.

In diesem Post möchte ich denen, die keinen Diabetes haben einfach mal sagen, dass es nicht so einfach ist, wie es manchmal aussieht. Dahinter steckt eine Menge „Arbeit“ und „Disziplin“. Für viele von uns Diabetikern ist es sicher nicht schon immer so gewesen, wie es heute ist. Wir haben heute wirklich tolle Gerätschaften, die uns das Leben mit dem Diabetes sehr erleichtern und uns auch helfen, mit Freude und Spaß unseren Alltag zu managen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich sage immer, dass Diabetes zu haben wie ein Studium ist. Wenn du die Diagnose bekommst, musst du dich erst einmal damit auseinandersetzen und dich dann Stück für Stück in das Thema einarbeiten. Für mich ist der Diabetes nicht nur eine Autoimmunerkrankung, sondern ein Spiegel der mir wiederspiegelt, wie es in mir aussieht. Habe ich Stress und kümmere mich nicht genug um mich selbst, lässt mich mein Diabetes das spüren und meine Blutzuckerwerte schießen mir über das Ziel hinaus.

 

Ein Kommentar

  • Klaudia

    So ein klasse Beitrag. Es ist genau wie du sagst. Der nicht betroffene Mensch kann sich gar nicht vorstellen, welche Disziplin es braucht und wie stark der innere Schweinehind nicht nur manchmal, sondern ständig überwunden werden soll/muss. Ich freue mich, wie du weiterwächst auf deinem Weg mit dem Diabetes, wie du dein Leben meisterst. Bravo!!!

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